Bericht aus dem Projekt 2015

Unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Nora war 2015 zu Besuch im Projekt in La Playa und schildert hier ihre Erfahrungen. Die passenden Fotos dazu finden sich in der Fotogalerie.

Zu der Situation und dem Projekt in La Playa:
Nun, in meiner Anfangszeit haben mir Francis und Lastenia erzählt, dass sie damals in die Schule in La Playa gegangen sind, alle Kinder gewogen und untersucht haben und diejenigen mit dem kritischsten Gesundheitszustand in das Projekt aufgenommen haben. Es gab wohl einige Kinder mit eindeutigen Mangelerscheinungen. Durch das Projekt bekommen die Kinder eine warme und ausgewogene Mahlzeit, sowie eine umsorgende Betreuung und einen Ort, zu dem sie vor oder nach der Schule gehen und unbeschwert spielen können.

Die Region rund um Somoto, wo Francis, Lastenia und ich wohnen, gilt als eine der ärmsten Regionen Nicaraguas. Doch in den letzten zwei Jahren hat sich die Lage nochmal drastisch verschlechtert. Durch den Klimawandel fällt die Regenzeit zunehmend aus. Die Male, die es wirklich geregnet hat, seitdem ich hier bin (Mitte Juli), kann man an zwei Händen abzählen. Und im Moment ist Regenzeit. Das heißt, wenn es jetzt nicht regnet, müssen die Leute ein ganzes Jahr auf die nächste Chance warten. Dementsprechend trocken ist das Land. Da Nicaragua eines der ärmsten Länder Lateinamerikas ist, sind die Chancen, hier Arbeit zu finden, ziemlich schlecht. Es gibt also viele Leute, die nach Honduras oder Costa Rica gehen, um dort zu arbeiten. So auch einige Mütter und Väter in La Playa. Viele Kinder wachsen also mit ihren Großeltern oder Tanten und Onkeln auf, damit die Eltern Geld verdienen können. Die meisten Familien haben jedoch gar kein oder nur sehr unregelmäßiges Einkommen. Einige arbeiten, wenn sie können, in der Landwirtschaft. Andere verkaufen Gemüse, Obst und Fleisch. Die meisten sind allerdings auf das angewiesen, was ihnen Mutter Natur schenkt. Ohne den Regen ist das jedoch nicht viel und ganz sicher nicht genug, um eine ganze Familie zu ernähren. So kommt es, dass viele Kinder zu Hause weder frühstücken noch abendessen.

Trotz des Projekts sind einige Kinder noch im Risikobereich, was ihren gesundheitlichen Zustand angeht. Beispielsweise gibt es ein Mädchen im Projekt, Valeria, das acht Jahre alt ist. Sie wiegt fast genauso viel wie der 2-jährige Sohn von Francis. Hinzu kommt, das die Preise für die Lebensmittel durch das mangelnde Angebot stark gestiegen sind und ständig schwanken. Ein halbes Kilo Zwiebeln kostet heute 30C$ (ca. 1€), obwohl es vor zwei Wochen noch 15C$ waren. Fleisch ist inzwischen selbst für die Familien mit regelmäßigem Einkommen so gut wie unbezahlbar geworden. Was mich am meisten schockiert hat, ist, dass ich, wenn ich günstig einkaufe, in Berlin für das Essen nicht wesentlich mehr ausgebe als hier. Aber das, was die Leute hier zum Leben haben, ist ein Bruchteil, von dem, was ich als Studentin mit einfachem Nebenjob verdiene.

Ausnahmslos alle Familien, die wir besucht haben, geben an, dass das allerwichtigste für sie im Projekt die Mahlzeiten sind. Zu Hause könnten sie ihren Kindern nicht so eine ausgewogene Ernährung bieten -oft nicht einmal Reis und Bohnen. Doch neben den Mahlzeiten gibt es auch viele andere Dinge, an denen es mangelt. Zum Beispiel gibt es keine Toilette im Projekt. Der Comedor (Essenssaal) ist in einem schlechten Zustand und müsste für mehr Sicherheit umgebaut, bzw. repariert, werden. Die Kinder sagen alle, dass sie sehr gerne lesen, aber niemand hat Bücher. Außerdem haben sie großes Interesse daran, Englisch zu lernen, was ohne Material oder LehrerIn leider schwierig ist. Ein Computer wäre super, um eine gute Zusammenarbeit zu garantieren. Momentan müssen sich Francis und Lastenia ab und zu einen Laptop ausleihen, um uns in Deutschland schreiben zu können. Dadurch gehen viele wirklich wichtige Informationen unter und in akuten Situationen ist es dadurch schwierig, schnell zu reagieren. Mit einer Kamera könnten wir Fotos und Videos aufnehmen, um regelmäßig Nachrichten der Familien sowie Bildmaterial an uns und die SpenderInnen zu übermitteln. Was außerdem fehlt, ist Material für Handwerkskurse, die die Familien wünschen und Lastenia und Francis gerne anbieten würden. Man könnte auch Workshops anbieten, um an innerfamiliären Problemen zu arbeiten oder kleine Kooperativen zu gründen, falls das gewünscht ist. Patricia, die früher schon im Projekt gearbeitet hat, wird mit diesen Capacitaciónes am Donnerstag beginnen, um zu schauen, wo am meisten Bedarf ist. Allerdings können wir das nur sehr kurzfristig gewährleisten. Weiterhin läuft das Projekt im Moment nur von Montag bis Donnerstag. Wegen der stark gestiegenen Preise in letzter Zeit haben wir nicht genug Kapazitäten für fünf Tage die Woche. Weiterhin fehlt es vielen Kindern an Kleidung und Schulmaterial wie Stiften und Papier, was weitere Probleme zur Folge hat. Im Moment sind wir dabei, einiges davon zu realisieren, alles ist leider nicht möglich. Aber wir arbeiten daran, Stück für Stück.

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