Neues aus Somoto! Lenas Erfahrungsbericht aus Nicaragua

Seit Anfang Oktober bin ich für ein dreimonatiges Praktikum in Somoto und die ersten Wochen sind rasant vergangen. Warm und herzlich wurde ich im Hostal Familiar Baez aufgenommen, sodass ich mich schnell gut einleben konnte, und auch im Projekt in La Playa wurde ich sehr freundlich empfangen. Mittlerweile konnte ich einen Einblick in die Arbeit gewinnen und sehe auch, wie viele Aufgaben sich hinter der Umsetzung des Projektes verbergen, die einem als Besucher leicht verborgen bleiben können.

Francis, die das Projekt koordiniert, ist vor ein paar Wochen aus der Elternzeit zurückgekommen, während der Lastenia, ausgebildete Sozialarbeiterin, das Projekt alleine betreut hat. Auch zu zweit ist die tägliche und vor allem langfristige Organisation des Projektes viel Arbeit, und ich habe großen Respekt davor, wie sich die beiden jeden Tag dafür einsetzen, dass es den 40 Kindern gut geht und einmal am Tag eine ausgewogene Mahlzeit gegessen wird.
Dabei besteht die Arbeit jedoch aus noch viel mehr als dem Einkaufen der Zutaten und dem Servieren des Essens, das planmäßig abwechselnd jeweils von zwei Müttern der Kinder zubereitet wird.
Zum einen ist der „Comedor“, das ist das bunt gestrichene kleine Haus, in dem gegessen wird, auch ein Ort, an dem die Kinder toben, kreativ sein und Neues ausprobieren können. So müssen z.B. viele Kinder, die neu in das Projekt kommen, zunächst lernen, wie man mit Löffel und Gabel isst, und was überhaupt auf dem Teller vor ihnen liegt.
Lastenia und Francis erklären das mit der fehlenden Vielfalt an Nahrung zu Hause, wo es meistens nur Reis, Bohnen und Tortillas gibt, die gewohnheitsmäßig oft mit den Händen gegessen werden.
Genau um diese Einseitigkeit der Ernährung zu vermeiden, existiert das Projekt und es ist nur allzu verständlich, dass die Kleinen sich erstmal an unbekannte Speisen wie z.B. Salat und Ananas gewöhnen müssen.

Zu den Aufgaben der beiden Mitarbeiterinnen gehört außerdem das Nachhaken, Nachfragen und Gegensteuern, wenn Kinder wiederholt nicht zum Essen oder Mütter nicht zum Kochen erscheinen. Leider kommt das gerade in letzter Zeit ziemlich häufig vor.
Gerade wenn es die Mütter sind, die ohne Grund fehlen, ist dies manchmal nicht leicht zu verstehen, denn es geht durchschnittlich nur um einen Kochtag im Monat, mit dem man seinem Kind montags bis freitags ein gesundes Mittagessen ermöglicht.
Häufen sich die Fehltage, kann es passieren, dass die Familie nicht mehr an dem Projekt teilnehmen darf, worunter natürlich besonders das Kind leidet, das dann auch nicht mehr mitessen kann.

Lastenia macht deswegen oft Hausbesuche, während Francis im Comedor die Stellung hält, um mit den Familien zu sprechen, zu überlegen, woran es liegt, dass Kinder oder Mütter zu selten kommen und was man dagegen tun kann. Dabei ist es sehr wichtig, dass die Mütter wissen, welchen wichtigen Beitrag sie zur Umsetzung des Projekts beitragen und dass man sich auf sie verlassen können muss. Denn fair ist es schließlich nicht, wenn immer die gleichen Mütter einspringen müssen.

Die Familien, die ich schon kennengelernt habe, waren dem Projekt gegenüber aber sehr positiv eingestellt und es ist interessant, sich zu unterhalten und auszutauschen.
Sowohl in der Stadt als auch auf dem Land zeichnet sich die Mentalität der Menschen durch viel Gastfreundschaft und ein starkes Gemeinschaftsgefühl aus.
Beim Aneinandervorbeigehen ist es ganz normal, sich zu grüßen, an der Bushaltestelle  unterhält man sich, und hat man sich mal verlaufen, findet man sicher schnell jemandem der einem weiterhilft.

So vergingen meine ersten Wochen recht schnell und es ist ein gewisser Alltag eingekehrt. Wie bereits erwähnt verläuft natürlich nicht immer alles reibungslos, so gibt es momentan ein Problem mit der Auszahlung des Essensgeldes und des Gehalts für Francis und Lastenia. Das Geld ist schon lange von Deutschland aus hergeschickt worden, die Auszahlung muss jedoch erst von der Alcaldía, das ist das Rathaus, zertifiziert werden.
Die nicaraguanische Bürokratie macht dies leider nicht immer pünktlich möglich, sodass wir uns vor Ort teilweise mit finanziellen Engpässen konfrontiert sehen, für die wir eine langfristige Lösung suchen.
Mehr zu weiteren Bestandteilen des Projekts wie Workshops und was genau es mit der Alcaldía auf sich hat, könnt ihr im nächsten Beitrag lesen.

Liebe Grüße bis dahin und abrazos aus Somoto!

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